Senegal 2005

 

 

 

 

Nach fast 20 Jahren Urlaub mit beinahe täglichem Kampf um Treibstoff, Wasser und Lebensmittel, Kampf gegen Polizei, Zoll und Bürokratie im Allgemeinen wollen wir uns einfach mal eine Relax-Tour durch den Senegal mit seiner guten Infrastruktur gönnen.

 

Unser Bus, ein Mitsubishi L300 4x4 Td, steht schon in Gambia auf Camping Sukuta, verzollt und mit gambischen Kennzeichen.

 

 

 

Joe und Claudia holen uns vom Flughafen Banjul ab, und wir beziehen für die ersten Tage ein Zimmer auf Camping Sukuta.

 

 

In aller Ruhe räumen wir unsere Sachen in den Bus, kaufen Lebensmittel auf dem Markt in Bakao, lassen uns in libanesischen, indischen und deutschen Restaurants bewirten, kurz: wir genießen das Leben von Pauschalurlaubern!

 

 

Fast hätten wir vergessen, weshalb wir eigentlich hier sind! Wir raffen uns auf und machen uns auf den Weg Richtung Senegal.

 

 

 

 

An der Fähre nach Barra müssen wir warten, weil eine der beiden Fähren über die Mündung des Gambia Rivers auf einer Sandbank festhängt und die andere nicht mit voller Motorleistung fahren kann.

 

 

An der Grenze zum Senegal stehen wir zum ersten Mal mit deutschen Pässen und gambischen Fahrzeug"papieren", drei hinter die Windschutzscheibe geklebten, kopierten Zettelchen. Alles kein Problem, in 10 Minuten sind wir über die Grenze! Wir übernachten erstmal abseits der Straße im Busch.

 

 

In Kaolack besorgen wir uns CFA-Francs, damit wir auch im Senegal zahlungsfähig sind. Dann fahren wir einfach mal ein Stück nach Osten. Wir haben drei verschiedene Landkarten dabei, und in jeder Karte sind die Pisten nach Norden woanders eingezeichnet! Wir wollen den Senegal von Süd nach Nord durchqueren, und zwar auf unbekannten Graspisten.

 

 

Also biegen wir einfach irgendwo auf eine nordwärts führende Piste ab. Die Pisten führen über trockenes grünes Gras und zeichnen sich durch feinsandigen Untergrund aus, auf dem der Bus wie auf Watte dahinrollt - ein sehr schönes Fahrgefühl!

 

 

Die Piste gabelt sich hier und dort, wir fahren einfach den einigermaßen nach Norden führenden Spuren nach. Wir kommen durch namenlose Dörfer, Ortsschilder gibt es ebenso wenig wie Verkehrsschilder. Dank unseres GPS können wir zwar auf der Karte feststellen, wo wir uns befinden, aber die Dörfer sind in keiner Karte eingezeichnet.

 

 

 

 

 

 

Oftmals müssen wir in einsamen Gehöften feststellen, daß unsere Piste genau hier endet. Also umkehren, zurück bis zur letzten Gabelung und einen anderen Ast versuchen.

 

 

 

Je weiter wir nach Norden vordringen, desto mehr verändert sich die Landschaft. In dichter Baum- und Buschsavanne sind wir losgefahren, jetzt wird der Bewuchs immer spärlicher, auch die Grasflächen weichen zunehmend weiten Sandfeldern. Typische Wüstenpflanzen wachsen hier, Calotropis-Büsche mit weiß-lila Blüten, stachelige Akazien und scheinbar dürre, blattlose Büsche mit leuchtend rosa Blüten. Sogar Koloquinten, Bitterkürbisse, bedecken den sandigen Boden. Ganz deutlich spürt man hier den Einfluß der Sahara, auch der heiße Wind trocknet unsere Haut zusehends aus.

 

 

Da das GPS-System stundenweise ausfällt, folgen wir einer "Rinderpiste" und treffen so nach herrlich einsamen Tagen in der Savanne wieder auf die Zivilisation in Form einer Teerstraße. Wir folgen ihr nach Westen und erreichen Podor.

 

 

 

Wir besichtigen eine Lehmgrube zur Ziegelherstellung und das am Fluß Senegal gelegene Fort de Faidherbe, das gerade renoviert wird. Der Kurator kommt eilends herbeigelaufen und führt uns durch die Baustelle. Mit Kreide malt er uns die geschichtlichen Zusammenhänge an die Wände, während wir auf wackligen Stühlen wie Schulkinder seinen Ausführungen lauschen.

 

 

 

 

 

 

Bei den alten Handelskais legen regelmäßig Pirogen hinüber zum mauretanischen Ufer ab. Ob hier der Zoll kontrolliert?

 

 

Wir folgen dem Fluß und legen noch mehrere Pausen ein, beobachten die Fischer in ihren Pirogen vom Ufer aus. Schließlich erreichen wir St. Louis, wo der Senegal in den Atlantik mündet. Über eine lange Stahlbrücke gelangen wir in die auf einer Insel gelegene Altstadt.

 

 

St. Louis wirkt auf uns wie ein "afrikanisches Venedig".

 

 

 

Hier werden auch Fische auf Stroh geräuchert, bevor die Fischer mit ihren Pirogen erneut ins Flußdelta fahren, um ihre Netze auszuwerfen.

 

Die Sonne nähert sich dem Horizont, Zeit für uns, den Campingplatz "Zebrabar" anzufahren, den zwei Schweizer in der Nähe führen.

 

 

 

Auf Ursula's Frage, was wir denn zum Abendessen gerne hätten, antworte ich scherzhaft "Schweinebraten!" Und den gibt es dann auch tatsächlich! Die Zebrabar ist bei Afrikafahrern ein beliebter Anlaufpunkt und ein wahrhaft paradiesisches Refugium. Die Werbung "Kaltes Bier und keine Mücken" trifft auf jeden Fall zu. Der Blick von der Aussichtsplattform sollte aber nicht von zu viel kaltem Bier getrübt werden!

 

 

 

Wir verbringen ein paar Tage hier, treffen alte Bekannte und lassen es

uns gut gehen. Dann fahren wir weiter nach Dakar, stellen fest, daß der Campingplatz in Rufisque mittlerweile Geschichte ist und steigen dann im Hotel "La Lodge" ab. Auch das Restaurant Mahi Mahi ist geschlossen, und so speisen wir im Keur Babu am westlichsten Punkt Afrikas unter einem riesigen Gummibaum. Wir kennen uns in Dakar recht gut aus, gehen noch einkaufen und treffen dabei einen alten Freund, der uns vor Jahren schon behilflich war.

 

Dann machen wir uns auf den Weg zum nächsten Relax-Höhepunkt: Sobobadé, ein Künstlerdorf am Antlantik, etwas südlich von Dakar.

 

 

 

 

 

Wir buchen ein originelles Zimmer mit Bad, das Bad stellt sich als Duschwanne mit gefülltem Wassereimer und Duschvorhang drumherum heraus. Aber damit können wir leben und lassen uns von der Flut der Ideen eines phantasiereichen Künstlers beeindrucken. Man kann hier singen, trommeln, tanzen und sogar töpfern, aber auch der wunderschöne und wenig frequentierte Sandstrand ist nicht weit.

 

 

 

Wieder genießen wir das Leben von Pauschalurlaubern, was uns als Extremisten auf die Dauer aber doch "ein wenig zu wenig" ist. Und so reisen wir wieder nach Gambia ein, fahren diesmal in Begleitung einer ganzen Rinderherde mit der Fähre über den Gambia River.

 

 

 

 

 

 

Auf Camping Sukuta verbringen wir die letzten Tage, auf dem Markt von Bakao die Vormittage, im Eiscafé die Nachmittage, in den Spezialitäten-Restaurants die Abende. Man könnte sich daran gewöhnen, aber nächstes Mal darf's wieder strapaziöser sein.