Mauretanien 1993

 

 

 

 

Nicht oft im Leben bietet sich die Möglichkeit, drei Monate am Stück Urlaub zu nehmen. 1993 ist es so weit, Sigi und Heiner und ihre beiden Christinen gehen für drei Monate auf große Tour! Ausschlaggebend waren faszinierende Bilder der Rallye Paris-Dakar aus Algerien und Mauretanien. Da müssen wir hin!

 

Das Schicksal will es so, daß wir alle gleichzeitig eine dreimonatige Auszeit realisieren können. Die Planung muß verschiedene Umstände berücksichtigen: der Weg führt auf verbotener Piste durch militärisches Sperrgebiet, der Pistenanfang ist vom Militär gesperrt und im Süden befindet sich ein wieder besetztes Militärcamp, die Algerier gestatten keinen Grenzübertritt nach und von Mauretanien, die Etappe von Adrar (Algerien) nach Atar (Mauretanien) bedeutet 2.200 Kilometer ohne jegliche Versorgungsmöglichkeit, und wir haben keine Ahnung, wie die Mauretanier auf unsere Einreise "querbeet" reagieren werden!

 

Aber der Entschluß steht fest, die Fahrzeuge sind einsatzbereit: unser Mercedes Unimog 416 mit 860 Litern Diesel an Bord und der Toyota Landcruiser BJ75 mit 500 Litern Diesel.

 

Also buchen wir ein One-Way-Ticket von Livorno nach Tunis auf der "Carlo R", einem etwa 45 Jahre alten Fährschiff aus Neuseeland. Der Weg zum Hundedeck führt bereits über abgerostete Stufen, vorbei an mit Segeltuch geflickten Lüftungskanälen. Das Vertrauen in die "Carlo R" sinkt bereits. Unsere Kabinen bestätigen den Eindruck: vier Generationen Schlösser an der Kabinentür, immerhin geht eines davon. Ein "Early-Morning-Tea"-Klingelknopf, leider ohne Funktion. Die Klobrille liegt nur lose auf der Schüssel und der Duschvorhang hängt in Fetzen herunter. Das Hundedeck kann uns nicht überzeugen und unsere Hunde Candy und Oscar dürfen sich in der Kabine unterm Bett verkriechen, wo sie sofort eine Staubexplosion verursachen! Aber wir werden die 16-stündige Überfahrt schon überleben. So einigermaßen, denn es herrscht starker Seegang und das Schiff hat keine Stabilisatoren. Aus dem Fahrzeugdeck unter unserer Kabine kommen laute Schläge, als ob ein losgerissener Lkw aus dem Rest der Ladung Kleinholz macht... Bei der Ankunft in Tunis stellen wir aber zufrieden fest, daß zumindest unsere Fahrzeuge angekettet waren und ihnen nichts passiert ist.

 

Die Abfertigung in Tunis ist nach zahlreichen Algerien-Fahrten bereits Routine und auch unsere GPS-Geräte rutschen unbemerkt durch. Die Hunde in der Kabine beugen genaueren Untersuchungen des tunesischen Zolls vor. Wir füllen unsere Tanks nur so weit, daß wir damit Algerien erreichen, wo der Diesel nur 26 Pfennig pro Liter kostet, dann machen wir uns auf den Weg über Kairouan und den Chott El Djerid, einem riesigen Salzsee, nach Nefta an der algerischen Grenze.

 

 

In Algerien schließen wir eine Versicherung für 3 Monate ab, erledigen die Einreiseformalitäten in weniger als zwei Stunden, und endlich kann es losgehen! Die wunderschönen, goldgelben Dünen des Grand Erg Oriental mit ihren Trichteroasen leuchten in der Morgensonne, wir fahren nach El Oued und versorgen uns mit frischem Brot, Obst und Gemüse, so weit es die Versorgungslage eben zuläßt. Wir haben keine Augen für die Kleinodien am Wegesrand, über Berriane erreichen wir Adrar am nördlichen Rand des Grand Erg Occidental. Am Ortseingang tanken wir die Fahrzeuge randvoll auf, 860 Liter für den Unimog, 500 Liter für den Toyota. Während wir noch Trinkwasser auffüllen, rollt ein Militärkonvoi in die Tankstelle, bewaffnete Soldaten riegeln die Tankstelle ab und die Fahrzeuge werden betankt. Die noch sehr jugendlichen Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag sind extrem nervös. Wir fahren weiter in Richtung Centre Ville um unsere Brotvorräte zu ergänzen. Eine Explosion im Stadtzentrum zerreißt die friedliche Stille, ein schwarzer Rauchpilz steigt vor uns auf, Militärfahrzeuge rasen in Richtung Zentrum - wir nehmen unser Brot und verlassen die Stadt ohne angehalten zu werden.

Unsere Spritvorräte reichen jetzt für ca. 3.600 km schwieriges Gelände, die Lebensmittel für etwa 3 Monate, das Trinkwasser für ungefähr 3 Wochen - wir stürzen uns ins Abenteuer!

 

 

Die beiden einzigen Zufahrten zu "unserer" Piste sind vom Militär gesperrt, weil sie ins Sperrgebiet führt. Wir können kein Risiko eingehen und verlassen die Teerstraße bei einem Brunnen, um querfeldein die Piste anzupeilen. Die beiden Christinen übernehmen die Navigation, rechnen einen Punkt aus der Karte heraus, wohin uns die GPS-Geräte führen sollen. Das Gelände besteht aus sandigen Kieshügeln mit spärlichem Bewuchs, und so stehen wir nach wenigen Stunden auf unserer "Traumpiste". Das Militärcamp im Süden, das Bordj Fly Sainte Marie, ist wieder besetzt und einmal pro Woche fährt ein Versorgungs-Lkw das Fort an. Wir wissen nur nicht, an welchem Tag, wollen aber keinesfalls vom Militär zurückgeschickt werden - drei Monate Urlaub sind einfach zu kostbar, um schon am Anfang zu scheitern! Zur Not würden wir nicht davor zurückschrecken, die Soldaten mit Alkohol zu bestechen. Zu diesem Zweck sind in jedem Fahrzeug zwei Flaschen deponiert.

 

Wir behalten die Umgebung im Auge, finden auch relativ frische Lkw-Spuren im Sand. Immer wieder halten wir an, schalten die Motoren ab und lauschen in die Stille. Einen Motor hört man in der Wüste lange bevor der Lkw zu sehen ist. Alles still, alles friedlich. Wir nähern uns allmählich dem Militärcamp, wo erst vor zwei Wochen drei Franzosen umkehren mußten. Das Bordj ist zwar hinter dem Dünenzug links von uns, aber auch wenn die Soldaten uns nicht sehen können, so können sie uns doch hören. Das Dünental weitet sich stark und wir weichen an den äußersten rechten Rand aus, möglichst weit weg vom Camp! Da erhebt sich auch noch ein Sandsturm, der uns jedoch sehr gelegen kommt. Der Wind kommt aus der richtigen Richtung, die Soldaten können uns nicht hören. Der Posten am südlichen Ausgang des Dünentals sieht uns dank Sandsturm nicht und wir fahren hinaus in die Ebene, das sogenannte leere Dreieck.

 

 

 

 

In einer Senke aus flachen Steinen düsen wir mit 50 km/h dahin, als ein aufrecht stehender und für den Fahrer nicht erkennbarer, spitzer Stein in den rechten Vorderreifen des Unimogs ein faustgroßes Loch reißt! Schade um den teuren Reifen, aber nicht zu ändern, also Reifenwechsel in der heißen Mittagssonne. Wir packen das große Lkw-Radkreuz aus, setzen es an - und nichts geht!!! Zu zweit versuchen wir die sechs Radmuttern lösen, aber es gehen nur zwei davon auf. Scheinbar hat die Werkstatt beim letzten Bremsendienst die Radmuttern mit einem Schlagschrauber dermaßen fest angezogen, daß wir sie jetzt nicht mehr lösen können. Wir sind genau auf halber Strecke, 1000 Kilometer in jede Richtung vom nächsten Reifendienst entfernt!

 

 

Zu zweit mit äußerster Kraftanstrengung verbiegen wir sogar das Lkw-Radkreuz, aber die Muttern lösen sich nicht. Sämtliche 24 mm Stecknüsse, Ring- und Gabelschlüssel sind gesprengt oder abgebrochen, das Radkreuz verbogen. Ist hier das Ende des Unimogs? Sollen wir den Reifen mit Ästen und Zweigen "ausstopfen"? Aber wir haben ja noch einen Akku-Schrauber in der Werkzeugkiste. Damit bohren wir die Radmuttern seitlich in einer Reihe an und sprengen diese dann mit Hammer und Meißel. Es funktioniert, aber nach der zweiten Mutter ist der Akku leer. Die einzige Stromquelle ist das 12 Volt-Bordnetz des Unimogs, aber unser Akku braucht nur 7,2 Volt! Also zwei Drähte von der Batterie an den Akku gehalten, bis der warm wird, wobei die Gefahr besteht, daß der Akku in der Hand explodiert. Aber auf diese Weise können wir weiter bohren und schließlich das 90 kg schwere Vorderrad wechseln! Gut, daß wir genügend Ersatz-Radmuttern dabei haben.

Nur die GPS-Geräte signalisieren, daß wir die Grenze nach Mauretanien überschreiten. 

 

 

Unvermittelt taucht vor uns das riesige Fort Chegga auf, es ist Gott sei Dank verlassen, und wir campieren im Innenhof nach einer ausgiebigen Erkundung aller Räume. Oscar klettert bevorzugt auf den Wehrgängen und den Kuppeldächern herum. Wir finden Deckel von Ölfässern mit der Jahreszahl 1922 und verrostete Konservendosen mit ähnlichen Jahreszahlen.

 

 

Da 1993 in Mauretanien Alkohol noch wie Rauschgift behandelt wird, vergraben wir unsere mitgebrachten Schnapsflaschen in der Umgebung und notieren die Koordinaten.

 

 

Von nun an führt eine gut markierte Piste weiter nach Südwesten. Wir treffen auf die verlassenen Brunnen von El Mreiti und Bir Amrane, wo wir in einer Tiefe von nur einem Meter klares Wasser schöpfen können.

 

 

In von sandigen Trichtern durchsetztem Gelände nähern wir uns einem riesigen Krater, dem Guelb Er-Richat, dessen Ränder teilweise vermint sein sollen. Wir fahren am nordöstlichen Rand auf einer Sanddüne in den Krater hinein und suchen dessen Mittelpunkt. Wir arbeiten uns durch konzentrische Felsringe, ähnlich den Schichten einer Zwiebel. Vom Zentrum etwas enttäuscht kämpfen wir uns in südwestlicher Richtung wieder heraus und verlassen den Krater durch ein extrem weiches Sandfeld.

 

In Ouadane treffen wir auf die erste menschliche Ansiedlung seit Adrar. Ein Landrover steht vorm Polizeiposten, aber wir ignorieren ihn "versehentlich" - wenn schon Ärger, dann bitte in Atar! Wir treffen auf die extrem wellige Piste von Chinguetti nach Atar, wo den Unimog ein Federbruch an der Hinterachse ereilt. Die Piste führt über den steinigen Passe d'Amogjar.

 

 

Im Schritt-Tempo klettern wir die mit groben Felsbrocken übersäte Piste hinab, viele Steine tragen Ölspuren von aufgeschlagenen Ölwannen. Mit einer Bodenfreiheit von 44 cm unter den Differentialen ist der Unimog da weniger gefährdet, aber die Reifen werden arg geschunden. Der Toyota muß weit vorsichtiger bewegt werden, kommt aber auch heil unten an.

 

 

Wir können Atar bereits sehen und fahren die letzten von 2.200 Kilometern mit gemischten Gefühlen in die Stadt. Was erwartet uns? Seit 700 km bewegen wir uns auf mauretanischem Boden, inoffiziell eingereist, ohne Versicherung!

 

Wir rollen in die Stadt, sehen prallvolle Geschäfte, im Gegensatz zu Algerien gibt es hier alles. Von Brot über Cola bis hin zum Bounty! Aber erst müssen wir zur Bank zum Geldwechseln. Die mauretanische Botschaft in Bonn hatte uns versichert, daß DM überall im Land gern akzeptiert würden - aber die Bank existiert nicht mehr und kein Mensch will unsere DM tauschen! Heiner hat noch französische Francs, die können wir tauschen und erstmal ein paar Lebensmittel kaufen. Da kommt ein Polizist auf uns zu und fragt, wo wir denn herkämen? Lügen hat jetzt keinen Sinn, also antworten wir wahrheitsgemäß: aus Algerien! Oh! La piste est très mauvaise, n'est-ce pas? Wir pflichten ihm etwas unsicher bei, da schickt er uns auf die Polizeistation zur Paßkontrolle. Jetzt geht das Theater los! ... denken wir. Nach zwei Minuten haben wir unsere Pässe zurück, alles in Ordnung! (?????) Zumindest in Atar bewegen wir uns jetzt einigermaßen offiziell und wir können uns um unser nächstes Problem kümmern, wir brauchen Diesel! Es sind zwar noch Reste in den Tanks, aber die nächste Etappe wird wieder 1.400 km lang. Wir tauschen fast alle französischen Francs und befüllen unsere Tanks mit dem billigen aber ungeheuer kostbaren Sprit. In der einzigen Werkstatt im Ort lassen wir die gebrochene Feder des Unimogs austauschen, während vorbeikommende Schulmädchen unverblümt darüber laut nachdenken, ob die europäischen Männer vielleicht zu ehelichen wären! Wir scheiden aber dann doch aus, weil wir lange Hosen tragen! Ein erwachsener Mauretanier trägt kurze Hosen. Lange Hosen tragen hier nur die Kinder!

 

 

Da wir nicht nochmal Radmuttern aufbohren wollen, lassen wir sie an einem mit "Michelin" beschriftenen Vulcanisateur aufmachen. Auch sie schaffen es nur mit Hilfe eines 4 Meter langen Wasserrohrs! Viele Kinder umringen uns und sehen, daß wir eine ganze Tüte voller Kaugummis haben. Sofort geht das Geschrei los: Papa, Papa, Papa! (???) Bevor uns die Kinder wegen der Kaugummis lynchen, werfen wir eine Handvoll über deren Köpfe hinweg in die Luft, und schon ist die schönste Schlägerei im Gange! Auch die Mädchen sind nicht zimperlich, mit einem wohlgezielten Schlag wird dem Jungen die Schultasche auf den Kopf gehauen und ihm der Kaugummi weggenommen....

 

Dann wird gerechnet. Wieviel Diesel haben in den Tanks? Wie hoch war der Verbrauch bis hierher? Der Unimog brauchte 24 Liter, der Toyota 16 Liter pro 100 km. Eigentlich müßte der Sprit für die Strecke nach Nema reichen, und in Tidjikja können wir vielleicht DM tauschen und volltanken. Also auf nach Tidjikja!

 

 

Zunächst muß aber wieder der steinige Passe d'Amogjar, diesmal bergauf, bezwungen werden. Die Christinen geben die vorher aus den IGN-Karten errechneten Koordinaten in die GPS-Geräte ein und wir fahren auf einer holprigen Piste nach Tidjikja. Dort angekommen, suchen wir erstmal eine Bank - es gibt keine. Dann eine Tankstelle, der Tankwart wechselt keine DM und will ohnehin nur maximal 50 Liter Diesel pro Fahrzeug rausrücken. Selbst die gibt es nur mit Genehmigung des Präfekten, der aber ist auf Reisen. Also kein Diesel. Wir rechnen nochmal mit spitzem Bleistift nach, können wir das wirklich riskieren? Wir können.

 

 

So fahren wir am Nordrand des Aoukar entlang Richtung Osten. Es gab noch nicht viele Vorreiter auf dieser Piste, wir kennen nur zwei. Die Navigation gestaltet sich schwierig, die Piste ist partiell nicht mehr auffindbar, oft sind Fahrspuren nur mit viel Phantasie oder am niedrigeren Bewuchs zu erkennen. Hat man endlich wieder ein deutliches Spurenbündel, löst sich erst eine Spur, dann noch eine und noch eine - und plötzlich ist die Piste ganz weg!

 

 

Auch Querfeldeinfahrten im 90-Grad-Winkel bringen die Piste nicht mehr zum Vorschein. Mit jeder Querung eines Oueds ist die Piste verschwunden. Die Christinen rechnen und rechnen und schließlich erreichen wir Tichit. Die Bewohner haben uns schon längst erspäht, und das ganze Dorf, vom Kleinkind bis zum Greis, steht mit ausgestrecktem Arm da, um uns und unsere zahlreichen Geschenke in Empfang zu nehmen! Wir spendieren der Krankenstation einige Medikamente, Tankstelle gibt es auch hier keine, und so verabschieden wir uns schnell wieder Richtung Osten.

 

 

Am Brunnen Zig machen wir Halt, dazu müssen wir eine steile Düne hinunterfahren.

 

 

Unser Unimog ist bereits zu weit über den Dünenkamm, in der Fallinie direkt unter uns liegt ein toter, halb verwester Esel! Zurück geht nicht mehr, da müssen wir jetzt durch, buchstäblich!!

 

 

Die Unimogräder rollen durch den Esel, stinkende Fleischfetzen bleiben an den Reifen hängen, aber wir sind am Brunnen. Hier gibt es zwar Wasser, aber unser Seil ist zu kurz!

 

 

Der Brunnenwächter meint, das Wasser wäre in etwa 60 Metern Tiefe und deutet auf ein langes Seil und vier Esel. Wir knoten das Seil lieber an die Stoßstange des Unimogs und ziehen Eimer für Eimer kühles Wasser aus dem Brunnen, auch die Esel werden getränkt. Eine kleine Wiedergutmachung für den Frevel an ihrem toten Kollegen.

 

 

 

Bei den Verhandlungen um den Preis des Wassers packt der Brunnenwächter seine im Sand gefundenen Schätze aus: Steinperlen, Steinmeißel, Pfeilspitzen, Faustkeile, ein steinerner Armreif - museumsreife Stücke! Im Kreis am Boden sitzend kaufen und tauschen wir stundenlang.

 

 

Die Piste führt im weiteren Verlauf an einem elephantenähnlichen Felsgebilde vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schließlich erreichen wir Oualata, das durch seine kunstvoll bemalten Hauseingänge eine gewisse Berühmtheit erreicht hat. Mit etwa 25 Kindern im Schlepptau schlendern wir durchs Dorf, ein Junge spielt dabei vor unseren Augen mit einem Plastikschlauch, den er von unserem Lkw geklaut hat.

 

 

 

 

 

 

Wir stellen fest, daß es hier vor Kurzem geregnet haben muß, weil sich ein großer See in den Sanddünen gesammelt hat. Auch hier gibt es keine Tankstelle.

 

90 km sind es noch bis Nema, der Treibstoffverbrauch war höher als vorausberechnet, aber es wird schon noch reichen. Es fängt zu regnen an, und der sandige Untergrund zeigt sein wahres Gesicht: klebriger, zäher Schlick, der sich um unsere Reifen legt und die gesamte Fahrzeugunterseite zukleistert.

 

 

Mit zwei omnipotenten Fahrzeugen macht eine Schlammschlacht ja Spaß, aber mittlerweile hat es 43°C und der Sprit geht aus! Der Toyota muß immer öfter Reste aus dem Zusatztank umfüllen, und der Unimog bleibt durchschnittlich alle 900 m stotternd stehen. Mit Hängen und Würgen erreichen wir Nema und damit die rettende Teerstraße. Es regnet nicht mehr und endlich gibt es eine Bank! Wir tauschen DM in mehrere dicke Bündel mauretanische Ougiyas. Wer behauptet, Geld stinke nicht, der wird beim Duft der Ougiyas eines Besseren belehrt! Egal, wir stottern zur Tankstelle, die seit einer Woche keinen Diesel hatte aber soeben beliefert wurde, welch Glück für uns! Wir stehen vor der Dieselzapfsäule, die jedoch keinen Strom hat. Ein Mauretanier sitzt neben der Zapfsäule und pumpt mit einem Handhebel unermüdlich, ohne Schweiß auf der Stirn in 45 Minuten 850 Liter Diesel in unsere Tanks!

 

 

Wir errechnen den Verbrauch der letzten Tage und kommen auf unglaubliche 33 Liter für den Unimog, bzw. 22 Liter pro 100 km für den Toyota! Die Mischung aus groben Felsen und mehlfeinem Sand haben den Verbrauch in die Höhe getrieben.

 

 

Bestens versorgt "schweben" wir auf lochfreier Teerstraße, der Route de l'Espoir, nach Westen. So angenehm das erschütterungsfreie Fahren ist, so schnell wird es auch langweilig.

 

 

Also runter vom Teer und auf schlechter Piste nach Koumbi Saleh, einer Ausgrabungsstätte. Außer kniehohen Mauerresten und einem alten Friedhof gibt es nicht viel zu sehen.

 

 

Zurück auf der Straße der Hoffnung kommen wir nach Ayoun el Atrous, wir übernachten in wunderschönen Felsformationen abseits der Straße.

 

 

Mit Geländefahrzeugen auf der Teerstraße, das ist als ob Reinhold Meßner mit der Seilbahn auf den Berg fährt. Also wieder runter auf die Piste nach Aoudaghost, einer weiteren Ausgrabungsstätte mit den Mauerresten einer Moschee.

 

 

Für uns interessierte Laien geben aber auch diese Ausgrabungen nicht viel her.

 

 

Über Tamchekket, oben auf einer riesigen Düne gelegen, geht es zurück zur Teerstraße, nach Kiffa.

 

Von der wunderschönen Teerstraße, die wir bei Ayoun el Atrous verlassen haben, ist nichts mehr zu sehen! Stattdessen springen wir auf Fragmenten frühchristlicher Teerstraße von Loch zu Loch und fahren schließlich gleich durchs Gelände, das geht schneller und schont das Fahrwerk.

 

 

In Aleg bietet sich die Möglichkeit zu einem Abstecher nach Süden an den Fluß Senegal, der gleichzeitig die Grenze zum benachbarten Land Senegal darstellt.

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Weg nach Bogué treffen wir auf die ersten Baobabs, Affenbrotbäume.

 

 

In Bogué schlendern wir inmitten vieler Schwarzafrikaner über den Markt und fühlen den Unterschied zwischen dem strengen Mauretanien und dem lockeren Schwarzafrika.

 

 

 

 

 

Hier wird bereits der Entschluß gefaßt, in naher Zukunft nach Schwarzafrika zu reisen.

 

 

 

 

 

In Boutilimit arbeiten Silberschmiede, die wir schon im Fernsehen gesehen haben.

 

 

 

Wir finden sie auch und kaufen wunderschöne Schmuckstücke, in einer Qualität, wie sie auf den Märkten in Nouakchott nicht zu finden sind.

 

 

 

 

 

Ab Boutilimit führt die jetzt wieder ordentliche Straße wie in einer Achterbahn über riesige stationäre Dünen dem Atlantik und der Hauptstadt Nouakchott entgegen.

 

 

 

 

 

 

Die Stadt gleicht einem riesigen Dorf, wir ergänzen unsere Vorräte und übernachten am Atlantikstrand. Unmengen von Krabben laufen seitwärts um uns herum und verkriechen sich bei der geringsten Bewegung in ihren Löchern. Wir frösteln in der untergehenden Sonne, holen unsere warmen Sachen aus den Fahrzeugen und sind geschockt vom Thermometer: kann das wirklich sein? Wir haben immer noch 27°C!!! Wir sind nicht krank, wir haben uns nur an Temperaturen um die 40°C gewöhnt.

 

 

 

 

 

Wir machen uns auf den Weg nach Atar, wir müssen auf dem gleichen Weg nach Algerien zurück, weil der Weg nach Marokko über die Westsahara gesperrt und vermint ist. In Atar versorgen wir uns noch mit einigen Paletten Cola und tanken wieder voll. Die gleichen 2.200 km wie auf der Herfahrt liegen nun vor uns.

 

 

Aber zunächst fahren wir zum mittlerweile dritten Mal den steilen Passe d'Amogjar hinauf und auf der anschließenden Wellblechpiste nach Chinguetti, der siebtheiligen Stadt des Islam.

 

 

 

Der freundliche Führer zeigt uns die Moschee mit den Straußeneiern auf dem Minarett und einige mittlerweile verlassene Wohnhäuser der Altstadt mit ihren baulichen Besonderheiten.

 

 

Leider fordern die mauretanischen Pisten mittlerweile ihren Tribut. Die Reifen am Toyota beginnen sich von innen her aufzulösen. Das Drahtgewebe bricht durch die Karkasse in punktiert den montierten Schlauch. Heiner muß mehrfach Reifen flicken.

 

 

Ouadane durchqueren wir wieder mit angelegten Ohren, aber die Polizei scheint uns nicht zu bemerken. Der Polizei-Landrover bewegt sich jedenfalls nicht von der Stelle.

 

 

 

 

 

 

In Chegga schlagen wir wieder im Innenhof des großen Forts unser Lager auf.

 

 

Heiner hat noch jede Menge Feuerholz zum Brotbacken auf dem Dach,

 

 

wir haben noch zwei Paletten Cola übrig - und dann ist da noch der vergrabene Whisky.... Wir schaufeln die Offiziersmesse frei von Sand, der offene Kamin ist noch funktionsfähig.

 

Aus dem Brotbackholz machen wir kamingerechte Scheite, stellen Tisch und Stühle in die von Kerzen beleuchtete Offiziersmesse und feiern ein feuchtfröhliches Fest bei prasselndem Kaminfeuer und Unmengen von Whisky-Cola!

 

 

Der nächste Morgen ist geprägt von reichlich Kopfschmerzen .. und von einer Regenfront, die uns auf unserem Weg nach Algerien begleitet.

 

 

Es lagert sich noch mehr Schlamm an den Fahrzeugen an. Wie sollen wir nur die dicke Kruste den Zöllnern im knochentrockenen Algerien erklären, wenn wir doch Algerien offiziell nie verlassen haben?

 

Auf Höhe des Forts Bordj Fly Sainte Marie wollen wir es wissen. Wir haben unsere Tour gefahren, jetzt kann uns das Militär ja getrost "zurück" schicken.

 

 

Wir steigen auf die Düne, hinter der wir das Militärcamp vermuten, robben die letzten Meter auf dem Bauch zum Dünenkamm und schauen mit unseren Ferngläsern hinüber. Auf den Mauern stehen Soldaten mit Ferngläsern und .. schauen zu uns herüber! Wir begeben uns vorsichtig wieder zu unseren Fahrzeugen und fahren die Piste zu Ende.

 

 

Die offiziellen Zufahrten sind zwar mit Schranken gesperrt, aber es sind keine Wachen aufgestellt.

 

 

Wir verlassen die verbotene Piste und rollen jetzt wieder ganz offiziell auf der Teerstraße gen Béchar.

 

Übernachtet wird an einem Oued, wo wir abends noch ein letztes Mal Brot im Sand backen. Heiner hört ständig ein Rauschen, wir denken es ist der Wind in den Tamarisken. Am nächsten Morgen trauen wir unseren Augen nicht: zwischen den Sanddünen wälzen sich wahre Wassermassen hindurch, die Auffahrten der Brücken sind weggespült, Bulldozer schieben neuen Kies in die Lücken.

 

 

 

 

 

 

Auch wenn wir warten müssen, jetzt haben wir eine plausible Erklärung für die Schlammkruste an den Fahrzeugen!

 

Bei der Ausreise kümmert sich kein Mensch um den Schlamm, und wir können problemlos nach Marokko einreisen und über Spanien, Frankreich und die Schweiz nach Hause fahren, wo uns der bayrische Winter mit Schnee und Eis empfängt.