Marokko 2007

 

 

 

 

 

Nachdem wir im August 2006 in Marokko ja fast den Hitzetod gestorben sind, fahren wir dieses Jahr erst am 5. Oktober los, wieder über Genf – Lyon – Biarritz – Madrid – Granada – Malaga nach Algeciras.

 

 

Zum Ramadan-Super-Spezialtarif setzen nach Ceuta über, für nur 41,25 Euro pro Strecke! Trübes Wetter empfängt uns in Marokko, wir wollen so schnell wie möglich nach Süden.

Die Grenzabfertigung ist in 15 Minuten erledigt, Uhren um 2 Stunden zurückgestellt, Geld getauscht, und schon kann's losgehen. Über Chefchaouen nach Ouezzane - und schon geblitzt! 65 statt der erlaubten 40 km/h. Jeder Dorfpolizist hat bereits eine Radarpistole in der Tasche! Indem ich Marokko in den schillerndsten Farben lobe, kann ich die Strafe von 400 Dirham auf 200 herunterhandeln, etwa 20 Euro.

In Zeida verlassen wir die große Teerstraße und fahren auf einem kleinen Sträßchen über Boumia Richtung Imilchil weiter.

 

 

Das Ende des Teers ist schnell erreicht, auf einer passablen Piste geht es, begleitet von dem einen oder anderen Regen- und Hagelschauer, weiter bis auf über 2.500 m, die Piste verläuft teilweise in Bachbetten, die aber (noch) kein nennenswertes Wasser führen.

 

 

Wir erreichen Imilchil und stehen sehr schön am Lac de Tislit mit einer österreichischen Mountainbike-Gruppe in Sicht- und Ratschweite.

 

 

Ob man die Todra-Schlucht von Imilchil aus erreichen kann, ist zumindest fraglich, weil die Straße durch Regenfälle schwer beschädigt worden sein soll. Wir übernachten erstmal in Tamtattouchte und stärken uns an einer üppigen Tajine.

 

 

Tatsächlich fehlt die Straße streckenweise ganz, wir fahren oftmals wieder im Flußbett, die Reste der ehemaligen Teerdecke etwa auf Augenhöhe! Aber auch diese Etappe kann schließlich ohne Probleme bewältigt werden.

 

 

Ab Tinerhir disponieren wir um. Wir wollen auf einer alten Bergbaupiste über Ikniouine die Strecke nach Zagora abkürzen. Die Strecke ist zwar kürzer, aber zumindest auf der zweiten Hälfte doch sehr mühsam zu befahren.

 

 

 

Auch hier fehlen ganze Pistenabschnitte und werden wieder kurzerhand ins Bachbett verlegt. So legen wir viele Sektionen mit den Rädern im Wasser zurück und erklimmen dabei eine Höhe von 2.700 m.

 

 

Die Übernachtung einsam und alleine auf einem Bergsattel mit wunderschönem Sonnenunter- und Sonnenaufgang ist allein schon die Mühen wert!

 

 

 

Nur das Outdoor-Fühstück wird bei 6°C nach innen verlegt. Ab der Paßhöhe von Tizi'n'Tazazert geht es wieder steil bergab, leider auch mit der Pistenqualität: eine grobe Steinpiste zwingt uns zu Schritt-Tempo, und so dauert die Abfahrt einen halben Tag, bietet dafür aber auch spektakuläre Ausblicke.

 

  

 

 

Wie angenehm ist dagegen die Teerstraße nach Zagora zu befahren! Und der Campingplatz erst! Wir sind wieder ganz allein, sieht man mal von einer Bande Hundewelpen ab. Und 3,50 Euro für 2 Personen mit Camper, incl. warmer Dusche und Brot,  sind selbst für marokkanische Verhältnisse sehr billig. Wir haben die Hunde auch nur ganz wenig abgenutzt!

 

 

 

 

Vor M'hamid mit seinen aufdringlichen Führern waren wir bereits gewarnt worden, aber es stellt sich uns nur ein einziger in den Weg, den wir kurz und bündig abfertigen können. So begeben wir uns also führerlos auf die Piste, die normalerweise ohne Begleitfahrzeug nicht befahren werden sollte.

 

 

 

Wir verlassen uns jedoch auf die Präsenz anderer Touristen und aufs marokkanische Militär, das in dieser Gegend ja sehr wachsam ist. Durch die Dünen des Erg Chegaga ist's auch kein Problem, unser voll beladener Landy macht eine gute Figur und läßt die mit vielen bunten Aufklebern ausgerüsteten Rallye-Fahrzeuge ziemlich lächerlich aussehen.

 

 

Zwei verlorengegangene französische Motorradfahrer müssen wir nachts mit korrekten Koordinaten versorgen - sie sind zwar dankbar, fahren aber unbelehrbar in die verkehrte Richtung weiter, kein Wunder, daß sie sich verirrt hatten!

 

 

Über den ausgetrockneten Lac Iriki geht es zunächst bei reichlich Sandwind in nordwestliche Richtung, dann schwenken wir nach Süden auf die Paris-Dakar-Piste ein. Ab da sind wir absolut alleine unterwegs, keine Menschenseele ist mehr anzutreffen.

 

 

 

Unsere Piste ist auf den südlichen Hügeln von zahlreichen Militärstellungen gesäumt, ein Abweichen nach Süden ist eher nicht ratsam...  Wir sind froh, daß sie weit genug weg sind, aber im Pannenfall wäre die Hilfe ausreichend nah. An zwei Posten werden wir aufgehalten und müssen unsere Paßdaten hinterlassen. Vor unserem Mini-Hund Gonzo haben die Soldaten aber alle Respekt, nicht nur, weil er sein "Security"-Geschirr trägt, sondern auch, weil Gonzo die Uniformierten gerne anbellt...

 

 

Im weiteren Verlauf treffen wir auf das Oued Melah und (was wir nicht vermutet hätten) das führt Wasser! Ein Paradies im Nichts! Zwei größere Badeseen laden ein, es grünt rundum, die Vögel zwitschern fröhlich, sogar Fische gibt es - und nach einigem Suchen auch eine für uns befahrbare Furt. Nur für den Weg auf die weiterführende Piste hätten wir uns Kettenantrieb gewünscht.

 

 

Im Oued el Kharoua "findet" Gonzo vier freilaufende Esel, die wir aber zu seinem Bedauern nicht mitnehmen können. Beim dritten Militärposten stoßen wir bereits auf Schwierigkeiten, man will uns nicht weiterfahren lassen, die Strecke durchs Tal wäre gesperrt. Nach ein wenig Smalltalk dürfen wir dann aber "ausnahmsweise dieses Mal noch" das Tal durchqueren.

 

 

 

Abends überrascht uns eine Staubwalze mit anschließendem Sandsturm, also ganz schnell (sozusagen in Windeseile) Tisch und Stühle ins Auto geworfen, den verzweifelten Hund gerettet und im geschlossenen Fahrzeug vor sich hin geschwitzt - nach einer Stunde ist alles vorbei.

 

 

Auf der weiterführenden Piste ist damit zu rechnen, daß man vom Militär wieder zurückgeschickt wird, und darauf haben wir nun gar keine Lust. So fahren wir ab Tata auf der Teerstraße über Assa und Guelmim zum Fort Bou Jerif, das mittlerweile unter neuer französischer Leitung steht.

 

 

 

Jetzt stimmt auch der Service wieder, und wir speisen fürstlich als einzige Gäste im feinen Lokal. Es gibt ein Menü aus Kürbissuppe mit Kreuzkümmel, Kamel-Tajine und einer Obst-Tajine als Dessert (schmeckt sehr nach Weihnachten!).

 

 

 

Nach einem Besuch der Ruine des richtigen Forts Bou Jerif machen wir uns auf an die Atlantikküste, zur Plage Blanche.

 

 

 

Dort genießen wir die Aussicht im Kreise marokkanischer Familien. Ein mutiger Marokkaner hat sich mit seinem altersschwachen Ford Transit die Böschung hinunter auf den breiten Strand gewagt. Der Weg zurück aufs Plateau führt über ein weiches Sandfeld in der Steigung, das schafft der mit ungezählten Personen besetzte Transit natürlich nicht und bleibt stecken. Heute sind wir gemein und wollen doch mal sehen, wie Marokkaner ein solches Problem lösen! Zunächst versuchen sie, ihre Landsleute zu mobilsieren, aber keiner will helfen!!! Wir werden erst gar nicht gefragt.

So lassen sie also die Luft aus den Hinterreifen, aber die Räder graben sich noch mehr ein. Mit Händen werden nun die Räder notdürftig vom Sand befreit und Matten und Teppiche vor die Räder gelegt, aber der Transit schafft es nicht auf die Matten. Da packen sie einen Wagenheber aus und versuchen die Hinterachse anzuheben, aber sie drücken nur den Wagenheber in den weichen Sand. Schließlich geben sie auf und schicken ihre Töchter (!) , um uns zu fragen, ob wir ihnen aus der Sandfalle helfen. Machen wir natürlich gerne. Eine Schaufel und zwei Sandbleche, schon steigt der Transit wie Phoenix aus der Asche aus dem Sandloch auf festen Untergrund! Wir füllen noch die fast platten Reifen, und der Sonntagsausflug der Großfamilie ist gerettet.

Wie schon so oft in afrikanischen Ländern stellen wir auch hier wieder fest, daß sich Afrikaner untereinander meist nicht helfen! Woran das wohl liegen mag?

 

 

Mittlerweile wird es unangenehm kühl und feucht, auch wir machen uns auf den Weg an der Küste entlang nach Norden.

 

 

Kaum stehen wir in Sidi Ifni auf dem Campingplatz direkt am Strand, disponieren wir wieder mal um und wollen sehen, wo die Marokkaner Ski fahren. Dazu fahren wir über Marrakech nach Oukaimeden, wo es einen Skilift geben soll. Eine kleine Straße führt steil bergan und endet direkt am Sessellift des Wintersportorts Oukaimeden!

 

 

Es ist regelrecht kalt hier oben, aber die Sonne scheint, und es führt eine Piste von der "Tal"station des Lifts bergauf. Wo die wohl hinführt? "Do miaß ma nauf" beschließe ich. Der Landy klettert unbeirrt die gute Piste hinauf, die allerdings immer schmäler und steiler wird. Auch die Serpentinen werden immer enger, so daß wir in schwindelerregender Höhe mehrfach zurücksetzen und sogar die Differenzialsperren einsetzen müssen, um weiter bergan fahren zu können. Kein Wunder bei einem Wendekreis von knapp 16 Metern...

 

 

Für ein Wendemanöver ist einfach kein Platz, also immer weiter bergauf, wir sind ja bald oben und können auf der anderen Seite wieder runterfahren. Doch auf dem Sattel 50 m unterhalb des Gipfels ist die Piste plötzlich zu Ende!!! Das Adrenalin pocht in den Adern, das GPS-Gerät zeigt eine Höhe von 2.975 m an!

 

 

Wenigstens kann man hier in leichter Schräglage das Fahrzeug gefahrlos wenden. Gonzo erkundet das Terrain und markiert "seinen" Gipfel, bevor wir uns vorsichtig wieder auf den steilen Weg nach unten begeben.

 

 

Wir nähern uns Marrakech - leider zu spät! Die Sonne geht bereits unter, während wir in der Rush Hour im Stau stehen und dank GPS-Ausfall den Campingplatz nicht finden können.

 

 

Von einem freundlichen Schlepper werden wir schließlich in völliger Dunkelheit zu einem neuen Campingplatz gebracht: Relais du Marrakech. Schöne Stellplätze, großer Swimmingpool, gutes Restaurant, sehr ordentliche Sanitäranlagen - eine echte Ausnahme unter den marokkanischen Campingplätzen!

 

Am nächsten Tag besuchen wir den Jardin Majorelle, einen liebevoll angelegten Garten mitten in Marrakech, mit Café und einem Museum für islamische Kunst.

 

 

 

 

 

Nachmittags bleibt noch Zeit für einen Umweg über die Cascades d'Ouzoud, einem schönen Wasserfall mit Regenbogen.

 

 

 

 

 

Die 1000 Treppen nach unten machen uns nichts aus, aber die gleichen 1000 nach oben??? Dem Kreislaufkollaps nahe erreichen wir unseren Landy. Wir erholen uns schnell und fahren weiter zum Camping du Lac, am militärbewachten Stausee Bin al Ouidane unterhalb der Staumauer gelegen. Der Campingplatz ist offensichtlich aufgegeben, der Besitzer verstorben, und ein Soldat klärt uns darüber auf, daß wir hier nicht stehen dürfen, weil der Platz jetzt zum Militärgebiet gehört! Wieder hilft Smalltalk weiter, und wir dürfen ausnahmsweise hier übernachten und unsere Merguez-Würstchen grillen!

 

Nachts beginnt es heftig zu regnen. Das auf dem Dach sich sammelnde Wasser läuft über die Eingangstür, aber die Dichtung hält dem Wasseransturm nicht stand. Damit die Kabine nicht voll Wasser läuft, muß ich den Landy umparken. Beim Aussteigen in stockdunkler Nacht stelle ich fest, daß das Wasser bereits knöchelhoch auf unserem Platz steht! Völlig durchnäßt rangiere ich das Fahrzeug auf einen höher gelegenen Platz.

 

 

Die Weiterfahrt gestaltet sich etwas schwierig. Schlamm und Geröll liegen auf der Fahrbahn, es regnet immer noch in Strömen. An einer Stelle steckt bereits ein Omnibus im Schlamm, daneben hat sich ein Mercedes-Pkw festgefahren. Dank Allrad, Schlammreifen und ausreichend Bodenfreiheit können wir die steckengebliebenen Fahrzeuge seitlich passieren. Wir fahren zum Vulkansee Aguelmame Agziz und warten dort auf des Ende der Sintflut. Gonzo findet wieder einen Esel, aber da sitzt jemand drauf, der ihn nicht hergeben will....

 

Am nächsten Morgen endlich hört es auf zu regnen. Vor Azrou machen wir deshalb einen Umweg durch den Zedernwald, wo wir überraschend viele Affen antreffen, die sich bereitwillig ablichten lassen.

 

 

Als Gonzo "seinen" Affen entdeckt und ihn wütend anbellt, ergeht sich der in furchterregenden Drohgebärden und zeigt seine langen Reißzähne. So schnell hatte ich das Seitenfenster noch nie zu! Nein, Gonzo, den nehmen wir auch nicht mit!

 

 

Diesmal wollen wir die Stadt Meknes besichtigen, letztes Jahr war's einfach zu heiß dazu, aber es verspricht ein langer Fußmarsch zu werden. Wir besteigen lieber eine Pferdekutsche und lassen uns zwei Stunden lang gemütlich durch Meknes schaukeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Coco (das Pferd) zieht die Kutsche in Millimeterarbeit durch die Medina, zwischen den Autos hindurch, bleibt an roten Ampeln stehen und wartet auf uns, wenn wir etwas näher besichtigen wollen. Coco und der Kutscher bekommen ein dickes Trinkgeld für den gemütlichen Vormittag.

 

 

Wir lassen unsere Marokko-Tour mit einem Strandspaziergang in Martil ausklingen. Gonzo tobt durch den Sand, holt Stöckchen vom Spülsaum und flieht vor den Ausläufern der Brandung. Sicher denkt er gern zurück an seine erste Marokkoreise und an seine Freundin vom Camping Belle Vue.

 

 

Gonzo hat's gefallen, uns auch!