Während 1984 eine Reise in die Türkei noch als Abenteuer gilt, sind wir bereits unterwegs nach Jordanien.

 

Ende August starten wir mit unserem betagten Borgward im strömenden Regen Richtung Österreich. Auf dem berüchtigten Autoput durch Jugoslawien fahren wir mit meist 50-60 km/h hinter anderen Lastwagen her, weil unsere 70 PS bei 5,2 t Gewicht keine Überholmanöver zulassen.

 

In Istanbul angekommen, biegen wir an einer Kreuzung mal eben verkehrt ab und landen in einem Labyrinth von engen Basargäßchen! Die Fußgänger müssen in Hauseingänge ausweichen, und so manches Vordach muss unseretwegen angehoben werden, damit wir drunter durchfahren können. Es hätte nicht viel gefehlt, und wir hätten den Lkw einfach stehengelassen und wären entnervt heimgeflogen! Da stoßen wir, Allah sei gepriesen, auf eine breitere Querstraße, die uns endlich aus dem Basar herausführt. Wir schlendern noch einen halben Tag durch die Altstadt und gönnen uns den einen oder anderen Döner am Wegesrand.

 

 

 

Wir verlassen Istanbul, und über Ankara erreichen wir Nevsehir. Da wir heute noch nichts Aufregendes erlebt haben, lassen wir uns von einem Führer in makellos schwarzem Anzug  zu einer Höhlenkirche bringen. Worauf wir uns da eingelassen haben, wird uns erst klar, als es kein Zurück mehr gibt. Nach einer abenteuerlichen Klettertour zwängen wir uns durch einen engen Gang, der immer niedriger wird. Bald kriechen wir auf Knien im Schein der Taschenlampe dahin, und schließlich robben wir auf dem Bauch weiter, in einer Hand die Taschenlampe, in der anderen die Kamera, wie Würmer durch den Berg! Wir beginnen an unserem Führer zu zweifeln, aber der robbt im schwarzen Anzug unverdrossen hinter uns her!

Endlich sehen wir wieder Tageslicht, die frische Luft tut gut! Völlig geschafft, von oben bis unten voller Sand, besichtigen wir die Kirche St. Jean, deren Fresken leider schon fast völlig zerstört sind.

 

 

Wie an dem nunmehr völlig verschmutzten Anzug unseres Führers zu erkennen ist, waren wir wohl heute die ersten und einzigen Touristen für ihn!

 

Nach einer kalten Nacht heizt uns die Morgensonne kräftig ein und belebt unsere Unternehmungslust. Es lockt der Open Palace mit unzähligen, frei zugänglichen Höhlen und Kirchen.

 

 

Beindruckt vom Open Palace fahren wir weiter nach Göreme, doch da befindet sich vor jeder sehenswerten Höhle ein Souvenirladen oder ein Restaurant, und es werden Parkgebühren verlangt. Schade, wir besichtigen nur die Höhlenkirche mit den besterhaltenen Fresken.

 

  

 

 

 

Beim Verlassen des Göreme-Tals sehen wir in der Ferne den Vulkan, der das ganze Schauspiel verursacht haben dürfte.

 

 

Auf winzigen Nebenstraßen, die teilweise nur in der Trockenzeit befahrbar sind, trödeln wir durch Develi an einem Salzsee entlang Richtung Fraktin, das wir aber wegen der rasch hereinbrechenden Dunkelheit nicht mehr erreichen. In den Dörfern schlägt uns eine vermeintliche Feindseligkeit entgegen, wir werden aber nachts nicht behelligt und wachen morgens inmitten einer Schafherde auf.

 

Eine Schotterpiste führt über den 1.960 m hohen Gezbeli-Pass, verkarstete Hügel mit spärlichem Bewuchs begleiten uns.

 

 

In Kahraman-Maras werden die Bremsen repariert und gleich der Ölwechsel gemacht - Gesamtpreis incl. Öl nur 12 Mark! Da der Nemrut-Dag nicht mehr weit ist, nehmen wir auch diese 70 km lange, unwegsame Piste unter die Räder. Zahllose Kinder betteln am Pistenrand um Zigaretten, da wir angesichts der Steigung und der tiefen Löcher über den 2. Gang nicht hinauskommen, ernten wir manchmal gezielte Steinwürfe.

 

 

10 km vor dem Gipfel geht die Piste in Kopfsteinpflaster über, so steil, dass wir mit Untersetzung und Vollgas mit etwa 3 km/h hinaufkriechen.

Vom Parkplatz aus gehen wir noch etwa eine halbe Stunde zu Fuß, dann stehen wir in 2.100 m Höhe auf einer Schotterterrasse mit steinernen Statuen von Zeus, Herkules, Apollo, Kommagene und Antiochus, der hier unter dem 50 m Schotterkegel begraben sein soll.

 

 

 

Am nächsten Morgen begeben wir uns auf den Weg nach Urfa an die syrische Grenze. Die schmale Straße ist mit flüssigem Teer bedeckt, und wir sorgen unfreiwillig für flächendeckenden Unterbodenschutz. Kurz vor der Grenze Akcakale stellen wir beim Tanken fest, dass ein Hinterreifen schon ziemlich platt ist. Da die Grenze aber nur zweimal zwei Stunden pro Tag geöffnet ist, haben wir keine Zeit für einen Radwechsel. Die Grenzstation ist wie ausgestorben, kein Mensch zu sehen! In einem Hinterhof finden wir etwa 15 Zöllner, die hier im Schatten Tee trinken und angeregt mit dem örtlichen Muezzin plaudern. Wir werden einfach hinzu gebeten und bei Dienstbeginn bevorzugt abgefertigt! Wir passieren das Grenztor und kommen an die syrische Station Et Tell el Abyad. Auch die Syrer haben bald Feierabend, und so werden wir recht unbürokratisch durchgeschleust. Den Betrag für die syrische Autoversicherung tauscht der Abfertigungsleiter nach anfänglichem Zögern dann doch privat.

 

Kurz nach der Grenze lassen wir den Reifen flicken. Dabei stellt sich heraus, dass die Felge gebrochen ist - sie wird an Ort und Stelle geschweißt, die ganze Aktion kostet nur 8 Mark!

 

Die bienenkorbartigen Häuser hier machen unseren ersten Eindruck vom Orient perfekt!

 

 

20 km vor Raqqa wird es rasch dunkel, und wir übernachten an einem steinigen Hügel abseits der Straße. Wir beobachten vielfältig bunt beleuchtete Fahrzeuge, wie sie am Horizont vorbeiziehen.

 

In Raqqa müssen wir unbedingt Geld tauschen, wir haben nur noch 5 syrische Pfund, etwa 2 Mark. Aber wie sollen wir nach Raqqa finden? Sämtliche Wegweiser sind nur arabisch beschriftet! Unter Zuhilfenahme von Karte und Kompaß gelangen wir zwar nach Raqqa, eine geöffnete Bank suchen wir jedoch vergeblich. Ein freundlicher Polizist erklärt uns, dass die nächsten vier Tage alle Banken geschlossen bleiben! Kaum zu glauben: er fährt uns mit seiner Harley voraus in den Souk und hilft uns beim Schwarztausch!

 

 

 

Zurück am Fahrzeug müssen wir feststellen, dass unser Haupttank undicht ist und der Diesel ungenutzt in den Sand tropft. Aber die syrischen Werkstätten nehmen es mit der Explosionsgefahr nicht so genau, man schweißt unseren Tank, und gegen Mittag können wir weiter, am Euphrat entlang, Richtung Deir-ez-Zor.

 

 

 

Auf dem Weg von der Teerstraße zum Ufer des Euphrat müssen wir ein Dorf durchqueren. Erst als Kinder wild gestikulieren und eine Hausfrau lautstark schimpft, bemerken wir, dass sich deren Wäscheleine in unseren Dachscheinwerfern verfangen hat. Wir befreien den Borgward von seiner unfreiwilligen und unbeschädigten Beute und sehen die Sonne über dem Euphrat untergehen.

 

 

 

Der Fluß begleitet uns den ganzen nächsten Tag bis kurz vor Deir-ez-Zor, wo wir von einer syrischen Familie eingeladen werden. Die zwölf Kinder haben bereits sämtliche Matratzen und Sitzgelegenheiten aus dem Zwei-Zimmer-Haus ins Freie getragen, wo wir mit Fladenbrot, frischen Gurken und Tee bewirtet werden. Wir revanchieren uns mit einem Fußball für die Kinder.

 

Am nächsten Tag wollen wir einen Abstecher in die syrische Wüste wagen. Wir tanken randvoll, bei 37 Pfennig pro Liter ist das keine größere Investition.

 

 

Unsere als Syrien-Kenner geltenden Freunde haben vor zwei Monaten das Wüstenschloß Qasr Al Hir Sharqi nicht gefunden. Wir folgen auf gut Glück einer Piste in die vermutete Richtung, halten uns an Gabelungen intuitiv mal links, mal rechts, und sehen nach etwa 30 km in weiter Ferne ein unscheinbares Gemäuer Das könnte es doch sein! Querfeldein fahren wir darauf zu, und mit einer großen Portion Glück stehen wir alsbald vor dem verlassenen Ommayadenschloß!

 

 

 

Wir sind ganz allein hier und nutzen die Zeit für einen ausgiebigen Erkundungsgang, obwohl das Thermometer im Fahrzeug bereits 60° anzeigt. Milliarden von Fliegen stürzen sich auf die beiden Touristen, bevölkern Augen, Ohren, Mund und Nase. Wie haben es die Ommayaden hier nur ausgehalten? Schon bald suchen wir unser Heil in der Flucht, fahren wieder querfeldein Richtung Süden, um irgendwann wieder auf die Teerstraße zu gelangen.

 

Der Straße folgen wir bis Palmyra, dem einstigen Tadmor. Das gut erhaltene Ruinengelände ist recht umfangreich, nach einem ersten Spaziergang durch die tausend Jahre alten Säulen übernachten wir in der Nähe der Grabtürme. Für Bodengräber eignet sich der harte Untergrund nicht, also hat man Türme errichtet.

 

 

 

So viele antike Steine! Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, auch noch den Baal-Tempel zu besichtígen.

 

 

Müde von dem langen Marsch und zum krönenden Abschluß lassen wir es uns in Palmyras Luxusrestaurant noch einmal richtig gut gehen. Das Mittagessen ist vom Feinsten und auch nicht billig.

Auf dem Weg nach Damascus müssen wir mangels besserer Gelegenheit auf einem Militärgelände übernachten, umgeben von vielen Tarngruben für Panzerfahrzeuge.

 

Der Schlaf dauert nicht lang, wir haben beide Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung! Oder etwa einer Cholera? Am Morgen sind wir regelrecht krankenhausreif! Völlig ermattet und mit letzter Kraft machen wir uns auf den Weg ins Krankenhaus nach Damascus. Langsam, ganz langsam erhole ich mich etwas. Eine am Wegesrand erworbene Flasche Mineralwasser führt uns wieder Elektrolyte zu, und wir verzichten auf das Krankenhaus! Ein Bäcker mit seinem Moped lotst uns durch die Großstadt und weist uns nach Deraa, der Grenzstation nach Jordanien.

 

Die Einreise mit Dieselfahrzeugen nach Jordanien ist offiziell verboten. Nach mehrfachen Mißverständnissen (der Zöllner verlangt den Fahrzeugbrief, will aber eigentlich die für Jordanien nicht gültige Versicherungsbescheinigung) und sprachlichen Hürden (wir müssen unsere Anträge arabisch ausfüllen, was nur mit der freundlichen Hilfe eines Taxifahrers gelingt), ist es so weit: Diesel? No entry! Mein allerletzter Trumpf ist der EAF-Ausweis:

 

 

Ein Schmunzeln erscheint im Gesicht des Zöllners, und er läßt uns mit den Worten "Have a good time!" nach Jordanien einreisen!

 

Wir machen uns auf den Weg nach Amman, wo wir Thomas, einen Münchner Erzieher an der Theodor-Schneller-Schule besuchen wollen. Trotz einer Wegbeschreibung finden wir die Schule nicht, Amman scheint nur aus Kreiseln zu bestehen, und zufällig ist "unsere" Straße zur Schule wegen Bauarbeiten gesperrt! Wir chartern ein Taxi, das uns zur Schule bringt - die aber ist geschlossen, es sind Ferien in Jordanien! Thomas ist zuhause und läßt uns ins weitläufige Schulgelände einfahren.

 

Nach einem netten Abend mit Thomas und seiner syrischen Ehefrau (die fünf Kinder sind bereits im Bett) übernachten wir auf dem parkähnlichen Schulgelände unter Aufsicht des Nachtwächters Abu Ahmed. Wir sollen aber das Auto nicht verlassen, weil Abu Ahmed nur noch auf einem Auge und auch noch schlecht sieht, also auf alles schießt, was er hört!

 

Zum Toten Meer schaffen wir es jetzt auch ohne Lotsen-Taxi. Der Weg führt Richtung Israel und ist links und rechts der Straße mit Stacheldraht und Minen gesäumt. Knapp 400 m unter dem Meeresspiegel liegt es dann vor uns: das Tote Meer.

Natürlich müssen wir ausprobieren, wie es sich in gesättigter Salzlösung badet. Das Wasser ist sehr warm und fühlt sich ölig an. Aber ertrinken kann man wirklich nicht! Die örtliche Foto-Mafia steht schon am Ufer mit Zeitung und Polaroid-Kamera für das obligatorische Erinnerungsfoto (zeitunglesend im Meer) bereit. Mehr als die Fotografen stören allerdings die Patroullienboote und Militärhubschrauber auf der israelischen Seite des Toten Meers. Es sind am Ende die Fliegen, die uns endgültig vertreiben.

 

 

Wir wollen noch ans Rote Meer, und so fahren wir auf dem Desert Highway, der seinem Namen wenig gerecht wird, gen Süden. Neben der Straße wäre die Fahrt angenehmer gewesen. Durch die weitläufige Wüstenlandschaft mit Nomadenzelten und Kamelherden nähern wir uns Ma'an, wo sich in der Hitze das Profil vom linken Hinterreifen zu lösen beginnt. Der Radwechsel gestaltet sich ganz ohne Schatten recht mühsam, das 70 kg schwere Reserverad muß vom Dach aus abgeseilt werden.

 

Auf der Weiterfahrt nach Aqaba werden wir mehrmals von Privatpersonen und auch von der Polizei angehalten, nur um uns mit Handschlag und einem herzlichen "Welcome" oder "Ahlan wa Sahlan" zu begrüßen! Die Frage "Where do you go?" darf natürlich auch nie fehlen.

 

Um am Strand von Aqaba, zwischen Israel und Saudi Arabien, übernachten zu können, besorgen wir uns ein Permit beim naheliegenden Militärposten. Wir parken den Borgward so auf dem Strand, daß wir mit Blick auf den Golf von Aqaba und auf das israelische Küstenstädtchen Eilat stehen. Die halbe Stadt scheint sich zum Barbecue versammelt zu haben, alles grillt und bruzzelt, herrliche Düfte ziehen zum Fenster herein! Man hat uns auch schon bemerkt, ein Junge kommt und bittet um etwas Salz, ein anderer kommt und bittet um Gläser, da kommt der erste mit dem Rest Salz zurück und bringt uns ein Fladenbrot mit gegrilltem Lammfleisch! Wenig später verlischt ein Lagerfeuer nach dem anderen, die Leute gehen nach Hause, und wir sind allein am Strand.

 

 

Wir sind am Endpunkt unserer Reise angelangt, 4.747 km gefahren, wir gehen erst mal im warmen Wasser schnorcheln. Im hüfthohen Wasser auf dem Korallenriff tummeln sich Rochen, Seeigel und farbenprächtige Fische, der Riffkante warten Haie.

 

 

 

 

 

Seit Ma'an haben wir schon kein jordanisches Geld mehr, wir müssen in die Stadt, um Geld zu wechseln. Ich fahre den Borgward im Sand an, es ertönt ein lautes Knacken - und eine der hinteren Steckachsen ist gebrochen! Damit ist die Hinterachse ohne Antrieb, eine Ersatzachse haben wir nicht dabei, die Stimmung sinkt auf Null. Mit eingelegtem Allradantrieb bewegt sich der Borgward wenigstens noch über die Vorderachse, damit ist jedoch die Untersetzung zwangsgekoppelt - und so beträgt unsere Höchstgeschwindigkeit nur noch 55 km/h. Und es sind noch gut 4.000 km nach Hause!

 

Nachmittags gesellt sich ein Münchner (!) Paar zu uns, und wir verbringen eine herrliche Zeit mit Schwimmen und Ratschen in der Sonne.

 

 

Weil unser Permit für den Strand ausläuft, brechen wir langsam mit Ziel Petra auf. Erst beim Anziehen meiner Hose bemerke ich den Mega-Sonnenbrand, der, einmal im Fahrersitz angelangt, jedes Kuppeln oder Bremsen zur schmerzhaften Tortur macht! In El Quweira versuchen wir unsere Haut zu kühlen, aber eine Besichtigung der Nabatäer-Stadt Petra ist damit völlig undenkbar!

 

Auf dem Weg zurück nach Amman sind wir weiterhin vom Pech verfolgt, eine defekte Tankuhr führt zu einem leer gefahrenen Dieseltank, zwei Reifenpannen, die letzte vor einer Bushaltestelle mit zahlreichem Publikum! Mir ist die Lust vergangen! Da stehen wir also unter den erwartungsvollen Blicken der Zuschauer. Ich kann mich vor Zorn und Erschöpfung nicht zum Reifenwechseln entschließen, nichts geschieht. Da kommt aus dem gegenüberliegenden Militärhospital ein Offizier mit vielen Sternen auf den Schulterklappen über die Straße gelaufen - und wechselt einfach unseren Reifen! So viel Hilfsbereitschaft hatten wir nun wirklich nicht erwartet, wir danken ihm ganz herzlich.

 

An der Grenze zu Syrien stürzen wir uns in die ganze normale Grenzbürokratie: ein Antrag hier, zwei Stempel da, Gewichtskontrolle dort, zwischendurch Gebührenmarken kaufen, einen französisch sprechenden Syrer um Übersetzung meines Antrags ins Arabische bitten, Name des Vaters, Name der Mutter, Zwangsumtausch erledigen - und schon sind wir wieder in Syrien!

 

Vor Damascus übernachten wir auf einem von einer Militärstreife zugewiesenen Platz. Die Nachtruhe dauert aber nur bis zum Schichtwechsel, dann werden wir von Autos umkreist und von Scheinwerfern angestrahlt, drei Soldaten mit Maschinengewehren geben dem vierten Mann Deckung, der mit Fäusten unaufhörlich an unser Fahrzeug trommelt. Ich schaue aus dem Fenster, und der nette Herr redet auf Arabisch auf mich ein. Als ich nichts verstehe, kommen die drei mit den Maschinengewehren, und einer meint "Police, police!". Auf mein Achselzucken ertönt noch einmal "Police, police!", was mich zu einem ebenbürtigen "Tourist, tourist" animiert. Daraufhin beratschlagen sie erst einmal, dann kommt der Soldat mit dem besten Englisch und meint "Sit up, stand down". Er hat es sicher andersherum gemeint, aber ich komme trotzdem mal raus. Zunächst wollen sie unsere Pässe sehen, dann wissen, woher wir kommen und wohin wir fahren. Nach meiner Erklärung, daß es durchaus Deutsche gibt, die keinen Mercedes, sondern nur einen Borgward fahren und daß uns dieser Platz von ihren Kollegen zugewiesen wurde, lassen sie uns wieder schlafen.

 

In Damascus finden wir einen zentrumsnahen Parkplatz, von wo aus wir die Ommayadenmoschee besichtigen und den Souk erkunden. Nach dem Moscheebesuch schreiben wir erst einmal 35 Postkarten an unsere Daheimgebliebenen.

 

 

 

 

 

Nach langem Fußmarsch durch den Souk haben wir uns verlaufen! Da spricht uns ein alter Mann an, der uns mehr von Damascus zeigen will. Er führt uns in eine alte Karawanserei, durch verwinkelte Altstadtgassen zu einer arabischen Villa, die wir besichtigen können. Natürlich müssen wir auch den Souvenirladen anschauen und kaufen dort eine kleine hölzerne Schmuckschatulle zu einem sehr günstigen Preis.

 

 

 

 

 

 

Auf dem Rückweg zum Parkplatz bewundern wir die bestens erhaltenen amerikanischen Straßenkreuzer, die hier vorzugsweise als Taxis bewegt werden. Wir finden den Borgward umlagert von Dutzenden iranischen Pilgern vor, die es sich im Schatten unseres Lkws bequem gemacht haben.

 

 

 

Wir ignorieren die Beschilderung nach Baghdad und fahren Richtung Aleppo, biegen aber vorher schon zum Krak des Chevaliers, einer gut erhaltenen Burg, ab. Die Straße führt an der Grenze zum Libanon entlang, man sieht einzelne zerbombte Häuser am Wegesrand. Die letzten drei Kilometer sind so steil, daß die Räder der angetriebenen Vorderachse sogar auf Teer durchdrehen, der Hinterradantrieb funktioniert ja nicht mehr. Mit knapper Not erreichen wir die Burg und engagieren einen Wächter für unser Auto.

 

 

 

 

 

 

 

Die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers stammt aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und bietet neben einer sehr schönen Aussicht auch viele schöne Ansichten.

 

 

Auf unserem Weg nach Aleppo kommen wir durch Hama, die Stadt der Nurias, der Wasserräder.

 

 

 

 

Im Souk von Aleppo verprassen wir unser zwangsgetauschtes Geld. Eine Galabiya, ein Kamelhaarteppich und Silber-Beduinenschmuck verschwinden im Borgward. Ein letzter Blick auf die Zitadelle von Aleppo, und wir fahren weiter nach Kilis, an die syrisch-türkische Grenze.

 

 

Dort soll ich 130 $ Dieselsteuer nachträglich bezahlen! Das wollen wir freilich nicht und fahren an eine andere Grenzstation: Bab el Hawa. Wir engagieren einen Zollschlepper und schärfen ihm ein, daß wir keinen Diesel fahren. Die Zöllner hingegen fragen immer wieder ungläubig nach: "Petrol?"  Ja, mit Petroleum läuft unser Lkw auch. Da kommt der Motorenspezialist vom Zoll und wirft einen Blick unter die Motorhaube, also doch Diesel!!! Die Zöllner schimpfen und behalten meinen Paß ein. Unser Schlepper verhandelt erfolglos mit den Zöllnern, ich soll wiederum 130 $ Dieselsteuer bezahlen. Wir einigen uns schließlich nach 4 Stunden auf 80 $ und reisen aus.

 

Auf der türkischen Seite warten wir geschlagene zwei Stunden, bis die Durchsuchung eines Reisebusses beendet ist. Dann wird der Wagen einer türkischen Familie auseinandergenommen. Dem Mercedes einer saudischen Familie ergeht es noch schlimmer: der wird regelrecht zerlegt, Sitze raus, Türverkleidungen runter, selbst die Hosentaschen der Insassen werden von den Zöllnern umgedreht! Das kann ja heiter werden.

Endlich sind wir an der Reihe - aber wir sind in 5 Minuten durch! Und dafür haben wir nun sieben Stunden lang gewartet!

 

 

Wir folgen der türkischen Mittelmeerküste bis Silifke, überqueren dann das Taurus-Gebirge und besuchen das Mevlana-Kloster mit seinen tanzenden Derwischen in Konya.

 

 

 

Hinter türkischen Lastwagen mit tiefschwarzen Rauchfahnen fahren wir her, über Ankara nach Istanbul. Trotz unserer derzeitigen Höchstgeschwindigkeit von nur 55 km/h wage ich es, einen der langsamsten und am stärksten qualmenden Lastwagen am Berg zu überholen. Als wir aus der Rauchwolke auftauchen, steht ein Polizist auf der durchgezogenen Doppellinie, mitten auf der Straße! 3.000 türkische Lira will er haben, etwa 30 Mark. Ich stelle mich ganz dumm, lasse ihn reden und schimpfen, bis er aufgibt. Da kommt ein freundlicher Türke, der jahrelang in Deutschland gearbeitet hat, und "hilft" mir. Er übersetzt, und schon bin ich 3.000 Lira ärmer. Teschekkür ederim!

 

Nach einer weiteren Reifenpanne (der wievielten eigentlich?) zwischen zwei brennenden Feldern reisen wir nach Bulgarien aus. Dort werden plötzlich Gebühren verlangt für den Hund, fürs Auto, für dies und das. Auf unsere Weigerung wird nur stereotyp erwidert: "Du nix bezahlen, Du zurück in Türkei".  Wir sind schon in Zeitnot und können nicht über Griechenland fahren, also zahlen wir zähneknirschend.

 

Endlich in Jugoslawien auf dem Autoput, wird die Fahrbahn auf zwei Spuren verengt, rechts ein betonierter Straßengraben, links die nicht abgetrennte Gegenfahrbahn. Ganz langsam kommt ein schon von Weitem sichtbarer Sattelschlepper von seiner Fahrbahn ab - und rast genau auf uns zu! Der Fahrer ist offenbar eingeschlafen, ein Frontalzusammenstoß scheint unvermeidlich! Ich stehe voll auf der Hupe, voll auf dem Gaspedal (55 km/h!) und versuche der Kollision zu entgehen, weiche aus bis an den äußersten rechten Fahrbahnrand, da wacht der Fahrer plötzlich auf und zieht seinen Lkw im allerletzten Moment wieder nach rechts auf seine Spur.

 

Starr vor Schreck lenke ich unser Auto auf den nächsten Parkplatz, ich zittere am ganzen Leib. Hätte der Fahrer nur eine einzige Sekunde länger geschlafen, gäbe es diesen Reisebericht heute nicht. Er hat uns um maximal 10 cm verfehlt!

 

Dagegen ist die Zollkontrolle bei der Ausreise aus Jugoslawien harmlos. Der Zöllner blättert gelangweilt in unseren Pässen, bis er die arabischen Visa und Stempel entdeckt. Dann werden wir getrennt, ich muß das ganze Fahrzeug ausräumen, bis der Rauschgiftsuchhund eintrifft. Ich weigere mich, die gesamte Innenverkleidung des Wohnmobil auszubauen. Da kommt der (männliche) Suchhund, der irgendwie begeistert in unserem Auto umherspringt - unsere Hündin ist nämlich derzeit läufig!

 

Alles Suchen und Schnüffeln hilft nichts, kein Rauschgift! Wir werden in die Heimat entlassen, und wir freuen uns schon darauf!