2 Unimogs auf Jungfernfahrt durch Algerien

 

 

 

Wir wollen eine weitere Algerien Tour mit unserem neu umgebauten Unimog 416 unternehmen, Roman und Gabi wollen uns mit ihrem ebenfalls neu aufgebauten und verdieselten Unimog 404 begleiten - zwei Jungfernfahrten also.

 

Die Strecke bis zum Fährhafen Genua nehmen wir gemeinsam unter die Räder und setzen in einer 1. Klasse-Kabine nach Tunis über. Auf der Fähre lernen wir Holger kennen, der uns durch Tunesien mit seinem VW-Bus begleiten wird.

 

 

Auf der Route über Kairouan und Gafsa reisen wir am Grenzübergang Bou Aroua nach Algerien ein. In El Oued versorgen wir uns noch einmal mit Lebensmitteln, bevor wir wieder ein Stück zurück fahren und in Sahan Berry in den Grand Erg Oriental einsteigen.

 

 

 

Anfangs führt uns eine nur hin und wieder versandete Piste ins Dünenmeer, die an einer großen, von einer heißen Quelle gespeisten "Badewanne" endet.

 

 

 

 

Nach einem ausgiebigem Bad wird es ernst. Generalrichtung Südsüdost ohne jegliche Piste, ohne Markierung, der Kompaßkurs ist schwer zu halten, es liegen riesige Dünenzüge quer zur Fahrtrichtung im Weg, die allesamt überquert werden müssen.

 

Mitten in den Dünen trauen wir unseren Augen nicht, als wir erst seltsam schmale Reifenspuren im Sand entdecken und dann ein Quadfahrer mit nacktem Oberkörper und Goldkettchen behängt auf uns zufährt!

 

 

Andere deutsche Touristen haben ihr Camp in der Nähe aufgeschlagen und wollen am nächsten Tag zurückfahren, weil der Treibstoff ihres Jeeps für die Dünenstrecke nicht reicht.

 

 

 

 

Auch wir entschließen uns umzukehren. Wir haben die Durchquerung schon mal gemacht, und Romans Unimog ist einfach zu schwer beladen, die beiden wollen schließlich noch bis Südafrika fahren.

 

 

 

 

Wir fahren zurück und auf der Teerstraße an zahlreichen Palmentrichtern vorbei nach El Oued und weiter über Touggourt nach Hassi Messaoud, einer größeren Ölbohrstation.

 

 

 

Südlich von Hassi Messaoud biegen wir auf die schmale Straße nach El Borma ab, die schon hin und wieder von kleineren Dünen überlagert ist. Gelegentliches Dünenreiten mit dann wieder festem Teer unter den Rädern macht einfach nur Spaß.

 

 

 

Nach 240 km verlassen wir die Straße nach El Borma und zweigen nach Südosten ab, Richtung Deb Deb. Westlich der nun immer öfter und immer stärker unter Sandmassen begrabenen Teerstraße befindet sich das im Jahr 1914 erbaute, aber noch sehr gut erhaltene Bordj Sif Fatima. Es ist nur 7 km Luftlinie von der Straße entfernt, aber hinter vielen Dünen versteckt und erst kurz vor Erreichen überhaupt zu sehen. Wir lassen also den Reifendruck auf 1,2 bar ab und fahren rund 30 km Dünen rauf, Dünen runter, bleiben mehrfach stecken und erreichen mit den letzten Sonnenstrahlen das verlassene Fort.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag erkunden wir es im Sonnenschein bis in die letzten Winkel, auch unser Hund geht auf den Tonnengewölben spazieren.

 

 

 

 

 

Zurück auf der Teerstraße kämpfen wir uns durch die riesigen Sandberge auf der Straße.

 

 

 

 

 

 

 

Beim Zurücksetzen seines Unimogs gerät Roman auf das überraschend weiche Bankett und versinkt mit den linken Rädern im mehlfeinen Sand! Beim Rangieren sinken die Räder immer tiefer ein, während die rechten Räder auf der befestigten Piste stehen. Die Schieflage wird immer bedrohlicher.

 

 

Schließlich befestigen wir unseren 20 t-Bergegurt unter Romans Unimog, führen den Gurt über das Dach und sichern ihn im 90 Grad-Winkel vor dem Umkippen.

 

 

Nun können wir den Sand vor den Rädern wegschaufeln und Sandbleche unterlegen. Vom Bergegurt gesichert kann Roman seinen Unimog auf die Sandbleche und dann zurück auf die Piste bugsieren.

 

 

 

 

Einige Kilometer vor Deb Deb hat der Kampf mit dem Sand ein Ende. Weiter geht es wieder auf einer Teerstraße Richtung Süden, von der wir jedoch auf halbem Weg nach In Amenas nach Westen auf eine Piste in die Hammada du Tinrhert einbiegen, wo auf unserer Karte das  Fort Timellouline eingezeichnet ist.

 

 

 

 

 

Am Brunnen füllen wir unsere Wasservorräte auf, bevor wir uns auf die selten frequentierte, aber durch regelmäßige Steinhaufen gut markierte Piste nach Ohanet begeben.

 

 

 

 

Am Hang eines Tafelbergs finden wird quarzähnliche Gebilde im Sand, es handelt sich angeblich um eine Gipsverbindung.

 

 

Durch wunderschöne Landschaft geht es weiter nach Süden, und wir sehen von Wasser und Wind erodiertes Gestein.

 

 

 

 

Wir kommen an eine aufgelassene Ölbohrstelle und drehen lieber keinen der vielen Hähne auf.

 

 

Kurz darauf erreichen wir die Teerstraße nach In Amenas, die wir einfach nach Süden überqueren. Hier befindet sich der markante Abbruch des Tinrhert-Plateaus namens Saut du Moufflon.

 

 

 

Die Abfahrt auf die tiefer liegende Ebene gestaltet sich völlig problemlos und wir folgen der Piste nach Südosten.

 

 

 

Eindrucksvolle Felsfinger und Zeugenberge führen uns vor Augen, wie winzig und unbedeutend wir daneben sind.

 

 

Gabi findet auch die kleineren Exemplare schön.

 

 

Viele einsame Pistenkilometer haben sie uns fast vergessen lassen: die Zivilisation, und zwar in Form der Teerstraße, die von In Amenas nach Illizi führt.

 

 

Nach eingehendem Probesitzen in der Unimog-Leiche biegen wir schon bald wieder ab auf die Piste nach Hassi Issendjel, einem größeren Fort der ehemaligen Besatzer.

 

 

 

 

In Illizi orientieren wir uns nach Westen und gelangen auf die sogenannte Gräberpiste nach Amguid.

 

 

Steinige Pistenabschnitte wechseln sich mit sandigen ab, manchmal ist die Piste auch mit grobem Wellblech überzogen.

 

 

 

 

Es geht immer wieder an zahlreichen Gräbern und einzelnen Nomadenmoscheen entlang.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nördlich von uns liegt der mächtige Erg Issaouane.

 

 

Dessen Ausläufer versperren uns bald den Weg, und wir müssen eine fahrbare 

Passage durch die Sanddünen finden. Also schwärmen wir aus und legen eine Route fest.

 

 

 

 

 

 

Nur die letzte Düne schafft Romans schwer beladener Unimog nicht ganz, so daß die Seilwinde zum Einsatz kommt.

 

 

 

 

Am Ain el Hadjadj füllen wir unsere Wasservorräte auf, bevor wir die Bergkette des Djebel Tahinaouine überqueren müssen.

 

 

 

Über Reg- und Schwemmtonebenen geht es zum nächsten Bergsattel, der nur in einer Art Bachbett, gefüllt mit extrem grobem Geröll und Felsen, ausgesprochen mühsam befahren werden kann und uns letztlich zum Ostrand des Erg Tifernine führt.

 

 

 

 

Auf sandigem Untergrund umrunden wir dessen Südspitze und rumpeln auf steiniger Piste weiter nach Westen.

 

 

 

 

 

 

Die Piste nach Amguid führt über mehrere Bergketten und Schwemmtonebenen über den Brunnen Hassi Ntsel, wo wir unsere Wasservorräte ergänzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Angeblich sind die Kontrollen in Amguid extrem lästig, und so biegen wir schon vor Amguid ins breite Oued Igharghar ab und umfahren den Ort in gehörigem Abstand Richtung Süden.

 

 

Auf gut erkennbarer, breit aufgefächerter Piste folgen wir dem Ostrand des Teffedest-Gebirges und gelangen so zum Geisterberg, dem Garet el Djenoun (2.330 m). Die Touareg meiden diesen Berg, umso interessanter erscheint er uns.

 

 

 

In einem Seitental finden sich seltsam erodierte Felsformationen, die zum Erforschen einladen.

 

 

  

 

 

Wir übernachten am Fuß des Garet el Djenoun, wir sind begeistert, gegeistert hat's jedoch nicht.

 

 

 

Der Ostflanke des Teffedest-Gebirges weiter folgend treffen wir auf das Oued Dehine und das Ende des Nationalparks.

 

 

 

Kurz vor Erreichen der Teerstraße In Salah - Tamanrasset beenden wir unsere gemeinsame Unimog-Tour.

 

 

Unser Urlaub ist bald zu Ende, und wir müssen uns auf den Heimweg machen, während Roman und Gabi nach Tamanrasset weiterfahren, in den Niger und bis nach Südafrika. Gute Reise!

 

 

Wir dagegen können auf dem Weg nach Norden unserer Leidenschaft frönen, dem Aufspüren alter, verlassener Franzosen-Forts. Ain Guettara liegt quasi auf dem Weg, wenn auch etwas abseits.

 

 

 

 

Etwa 70 km vor Erreichen des Tademait-Plateaus verlassen wir die baufällige Teerstraße und folgen der Piste nach Osten.

 

 

Einige Stunden später können wir die Festung oben an der Abbruchkante bereits erkennen.

 

 

Die letzten Höhenmeter erklimmen wir auf einer kunstvoll aus Natursteinen befestigten Piste mit Abwasserkanälen, die all die Jahre ohne einzubrechen überdauert haben.

 

 

 

Ein Teil der südlichen Außenmauer ist bereits die Abbruchkante hinuntergerutscht, der Rest steht noch einigermaßen intakt, wo die Franzosen ihn im Jahre 1911 hingebaut haben.

 

 

Den 120 m langen, unterirdischen Gang zur 85 m unterhalb des Forts liegenden Quelle finden wir nicht. Wegen der potentiellen Einsturzgefahr hätten wir eine Begehung ohnehin nicht gewagt, wir sind hier mutterseelenallein, und wer weiß schon, in wie vielen Monaten der nächste Tourist genau hier vorbei kommt?

 

 

 

Wenn wir schon den unterirdischen Gang nicht sehen können, wollen wir die Quelle wenigstens oberirdisch suchen. Unterhalb des Forts, unter den Palmen werden wir fündig und erklären Ain Guettara zum lohnenden Endpunkt unserer Reise.

 

 

 

 

 

 

Pflanzen in der Sahara